Refraktive Chirurgie

Refraktive Chirurgie bezeichnet chirurgische Eingriffe an der Hornhaut oder Linse des Auges, die zur Behebung von Brechungsfehlern (Refraktionsanomalien) eingesetzt werden. Ziel refraktiver Eingriffe ist es, dem Patienten ein scharfes Netzhautbild zum Sehen ohne zusätzliche Hilfsmittel wie Brillengläser oder Kontaktlinsen zu ermöglichen.

Erste refraktive Operationen mit verschiedenen chirurgischen Hornhautschnitten wurden bereits Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts von mehreren Forschern bei der Behandlung von Kurz-, Weit- und Stabsichtigkeit erprobt. Die heutige refraktive Chirurgie entwickelte sich jedoch erst Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Einführung künstlicher Augenlinsen zur Operation des Grauen Stars und der Technik der so genannten lamellaren refraktiven Chirurgie durch den Ophtalmologen Jose Ignacio Barraquer. Bei dieser Technik wird die Hornhaut zunächst eingeschnitten, dann die oberste Schicht, das Hornhautepithel, entfernt, eingefroren und schließlich nach einer speziellen Behandlung wieder aufgesetzt. In den 80er Jahren entstand aus dieser Methode die so genannte Automatisierte lamellare Keratoplastik (ALK), mit der der komplette Eingriff ohne Unterbrechung am Auge des Patienten stattfinden konnte.

Gleichzeitig fanden erste Forschungen zum Einsatz des Excimer-Lasers, einem Kaltlichtlaser im ultravioletten Bereich, zur Abflachung der Hornhaut bei Kurzsichtigkeit statt. Aus diesen Versuchen der Augenlaserbehandlung entwickelte sich, die auch heute noch eingesetzte Methode der photorefraktiven Keratektomie (PRK), bei der die Hornhaut bei allen Arten von Fehlsichtigkeiten zum größten Teil mit dem Laser behandelt wird.

Erst 1991 wurde die Excimer-Laser-Technik mit der lamellaren Keratoplastik in der LASIK-Methode (Laser in situ Keratomileusis) kombiniert, die ebenfalls bis heute erfolgreich zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten angewandt wird. Forschungen haben jedoch ergeben, dass es in seltenen Fällen nach einer LASIK-Behandlung zu schweren Komplikationen bei Patienten kommen kann (z. B. ungleichmäßige Aufwölbung der Hornhaut, Hornhautentzündungen). Aus diesem Grund wurden Ende des 20. bzw. Anfang des 21. Jahrhunderts alternative Methoden zur Hornhautabtragung entwickelt: Seit 1996 wird die LASEK-Methode (Laser Epithelial Keratomileusis), seit 2003 die EPILASIK-Methode (Epitheliale in situ Keratomileusis) erfolgreich eingesetzt. Dabei wird die Hornhaut nur noch sehr oberflächlich abgetragen und nicht mehr ins Hornhautstroma eingeschnitten, so dass sich diese Methoden vor allem bei Patienten mit geringer Hornhautdicke eignen.

Insbesondere bei extremen Fehlsichtigkeiten können allerdings Methoden der refraktiven Hornhautchirurgie schwere Komplikationen auslösen bzw. die Fehlsichtigkeit nur bedingt ausgleichen. Deshalb wurden Anfang der 90er Jahre die frühen Versuche zur Implantation von Intraokularlinsen aus den 50er Jahren wieder aufgegriffen und weiterentwickelt. Bei solchen Implantationen bleibt die Hornhaut bei der Refraktionskorrektur vollkommen unberührt. Die erste Implantation an einem sehenden Auge fand 1991 statt. Zwar treten bei refraktiver Linsenchirurgie weniger Komplikationen auf, allerdings ist die Vorhersagbarkeit des Sehvermögens zum Beispiel geringer als bei der LASIK-Methode.

Bluthochdruck spielt auch bei den Augen eine entscheidene Rolle. Es sind klare Zusammenhänge zwischen diesem und den Augeninnendruck zu erkennen. Das hat zur Folge, dass nicht jeder Patient mit Bluthochdruck behandelt werden kann. Dies muss vorher mit dem Arzt abgeklärt werden.