
Chancen und Risiken der refraktiven Chirugie
Die refraktive Chirurgie ist mittlerweile ein sicheres und zuverlässiges Verfahren auf dem Gebiet der Augenheilkunde zur Korrektur von Refraktionsfehlern. Behandelt werden können damit insbesondere folgende Fehlsichtigkeiten:
Myopie (Kurzsichtigkeit)
Bei der Myopie (Kurzsichtigkeit) ist das Auge in Relation zur Brechkraft der Hornhaut zu lang, so dass der Brennpunkt vor der Netzhaut liegt. Dadurch entsteht ein unscharfes Bild beim Sehen in der Ferne. Myopien werden traditionell durch konkave Brillengläser (Zerstreuungslinsen, so genannte Minusgläser) oder Kontaktlinsen korrigiert. Mit Hilfe refraktiver Chirurgie kann die Hornhaut des Auges so verändert werden, dass das Auge quasi "verkürzt" wird.
Hyperopie (Weitsichtigkeit)
Bei der Hyperopie ist das Auge dagegen in Relation zur Brechkraft der Hornhaut zu kurz, so dass der Brennpunkt hinter der Netzhaut liegt. Dadurch entsteht ein unscharfes Bild beim Sehen in der Nähe. Hyperopien werden meist durch konvexe Brillengläser (Sammellinsen, so genannte "Plusgläser") oder Kontaktlinsen korrigiert. Mit Hilfe refraktiver wird das Auge in diesem Fall quasi verlängert wird.
Astigmatismus (Stabsichtigkeit)
Beim Astigmatismus (Stabsichtigkeit) besitzt die Hornhaut eine unregelmäßige Oberfläche und ist in einem Radius stärker gewölbt (so genannte Hornhautverkrümmung), so dass sie nicht wie normal halbkugelförmig, sondern elliptisch gewölbt ist. Parallel einfallende Lichtstrahlen können daher nicht in einem Punkt auf der Netzhaut einfallen, sondern erzeugen ein stab- bzw. linienförmiges Abbild auf der Netzhaut. Astigmatismen werden meist durch zylindrische Brillengläser oder Kontaktlinsen korrigiert. Mit Hilfe refraktiver Chirurgie kann die Hornhaut regelmäßig abgeflacht werden.
Wenn die Richtlinien von KRC (Kommission Refraktive Chirurgie), DOG (Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft) und BVA (Berufsverbände der Deutschen Augenärzte) eingehalten werden und standardisierte Technik verwendet wird, verlaufen refraktive Eingriffe zudem relativ frei von Komplikationen.
Den Richtlinien zufolge können
- mit oberflächlichen Behandlungen wie der PRK, der LASEK und der EPILASIK Myopien bis -6 (maximal -8) Dioptrien, Astigmatismen bis 5 (maximal 6) Dioptrien und Hyperopien bis maximal +4 Dioptrien
- mit der LASIK-Methode Myopien bis -8 (maximal -10) Dioptrien, Astigmatismen bis 5 (maximal 6) Dioptrien und Hyperopien bis +3 (maximal +4) Dioptrien
- mit Intraokularlinsen Myopien ab -8 (maximal ab -5) Dioptrien und Hyperopien ab +4 (maximal ab +3) Dioptrien
korrigiert werden.
Grundsätzlich gilt aber für alle Methoden, dass mit ansteigender Refraktion und Dioptrienzahl die Effektivität deutlich abnimmt und häufiger Komplikationen nach dem Eingriff auftauchen.
Refraktive Eingriffe stellen aber vor allem dann eine Chance für den Patienten dar, wenn ...
- eine (extreme) Fehlsichtigkeit trotz Brillengläser oder Kontaktlinsen nicht behoben werden kann,
- Brillen oder Kontaktlinsen nicht vertragen werden (z. B. aufgrund eines zu hohen Astigmatismus oder subjektiver Beschwerden),
- eine unkorrigierte Sehqualität gewünscht (z. B. häufiges Autofahren oder sportliche Aktivitäten) oder beruflich notwendig ist (z. B. bei Polizisten, Soldaten, Piloten), oder
- ein besseres Aussehen gewünscht ist.
Risiken der refraktiven Chirurgie ergeben sich dagegen vor allem bei folgenden Kontraindikationen:
- chronische Hornhauterkrankungen (z. B. Herpes, Narbenprozesse)
- schwere Erkrankungen des Hornhautendothels (innerste Schicht der Hornhaut)
- Infektionserkrankungen am Auge
- symptomatische Katarakt (Grauer Star)
- Glaukom mit starken Gesichtsfeldausfällen (Grüner Star)
- exsudative (feuchte) Makulaerkrankung (Blut- und Gewebsflüssigkeitsablagerungen im gelben Fleck unter der Netzhaut)
- schwankendes Sehvermögen (instabile Refraktion)
- Kollagenosen und rheumatische Erkrankungen
- Patienten unter 18 Jahren (nur in Ausnahmefällen auch bei Kindern)
- Schwangerschaft und Stillphase
- Erkrankungen wie Neurodermitis oder Diabetes